Provinz Schlesien
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Die Provinz Schlesien (inoffiziell auch als Preußisch-Schlesien bekannt) war eine Provinz im Südosten des Staates Preußen. Zu ihr gehörte der größte Teil der historischen Region Schlesien. Hauptstadt war Breslau. Sie bestand von 1815 bis 1919 und nochmals von 1938 bis 1941. In den Jahren von 1919 bis 1938 und ab 1941 war sie in die Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien geteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte
2 Einwohnerentwicklung
3 Verwaltungseinteilung 1910
3.1 Regierungsbezirk Breslau
3.1.1 Stadtkreise
3.1.2 Kreise und Landkreise
3.2 Regierungsbezirk Liegnitz
3.2.1 Stadtkreise
3.2.2 Kreise und Landkreise
3.3 Regierungsbezirk Oppeln
3.3.1 Stadtkreise
3.3.2 Kreise und Landkreise
3.3.3 Entwicklung der ethnolinguistischen Struktur
4 Oberpräsidenten
5 Siehe auch
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise
Geschichte |
Den größten Teil des Herzogtums Schlesien nebst der Grafschaft Glatz hatte 1742 der preußische König Friedrich II. nach dem Ersten Schlesischen Krieg infolge des Friedens von Berlin zu einer Provinz des preußischen Staates gemacht.[3] Nachdem Preußen nach dem Wiener Kongress alle seine Territorien 1815 in neuer Form einheitlich als Provinzen organisiert hatte, kam die nördliche Oberlausitz um Görlitz 1816 zur Provinz Schlesien hinzu. Die historische Teillandschaft Oberschlesien bildete den Regierungsbezirk Oppeln. Niederschlesien wurde in die Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz eingeteilt, sowie kurzzeitig auch in den Regierungsbezirk Reichenbach.
Als Teil Preußens gehörte die Provinz bis 1866 zum Deutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen Reich. Bei den Reichstagswahlen wählten die überwiegend katholischen Oberschlesier mehrheitlich die Zentrumspartei, die Niederschlesier zunächst überwiegend die Partei der „Deutsch Freisinnigen“, später zunehmend die SPD. Mit der Industrialisierung wurde Oberschlesien mit seinen Steinkohlebergwerken zu einem wichtigen Industriegebiet des Reiches.
Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zweite Polnische Republik entstand und Gebietsansprüche auf Teile der östlichen preußischen Provinzen stellte, wurde das Gebiet 1919 in die Provinzen Nieder- und Oberschlesien geteilt, um den vielen slawischsprachigen Oberschlesiern mehr Eigenständigkeit zu geben und sie so in der anstehenden Volksabstimmung in Oberschlesien für das Reich zu halten. Auch infolge der drei polnischen Aufstände in Oberschlesien mussten Teile Oberschlesiens (Ostoberschlesien) 1922 an Polen abgetreten werden. Das Hultschiner Ländchen ging schon 1920 an die Tschechoslowakei.
1938 entstand die Provinz kurzzeitig neu. Nach dem Polenfeldzug annektiertes Territorium, das im Südosten deutlich über die früheren Grenzen hinausreichte, kam Ende 1939 dazu.
1941 wieder geteilt, wurde das Gebiet 1945 infolge der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg fast gänzlich unter die Verwaltung Polens gestellt, und in den Staat eingegliedert. Hier verteilt es sich heute v. a. auf die Woiwodschaften Schlesien, Niederschlesien und Oppeln, ferner auch Lebus, Großpolen und Kleinpolen. Ein kleiner Teil verblieb bei Deutschland und verteilt sich heute innerhalb des Freistaates Sachsen auf die Landkreise Bautzen und Görlitz.
Einwohnerentwicklung |
| Jahr | Einwohner[4] |
|---|---|
| 1871 | 3.707.167 |
| 1880 | 4.007.925 |
| 1890 | 4.224.458 |
| 1900 | 4.668.857 |
| 1910 | 5.225.962 |
| 1939 | 4.868.764 |
Verwaltungseinteilung 1910 |
Stadt- und Landkreise von Schlesien (1905):
Regierungsbezirk Liegnitz
Regierungsbezirk Breslau
Regierungsbezirk Oppeln
Sprachensituation in der Provinz Schlesien nach der preußischen Statistik 1905/06.
Deutsche Sprache
Polnische Sprache
Tschechische Sprache
Sorbische Sprache
Zweisprachig
Andere Sprachen
Regierungsbezirk Breslau |
Stadtkreise |
- Breslau
Brieg (seit 1907)- Schweidnitz
Kreise und Landkreise |
- Landkreis Breslau
- Landkreis Brieg
- Kreis Frankenstein
- Kreis Glatz
- Kreis Groß Wartenberg
- Kreis Guhrau
- Kreis Habelschwerdt
- Kreis Militsch
- Kreis Münsterberg
- Kreis Namslau
- Kreis Neumarkt
- Kreis Neurode
- Kreis Nimptsch
- Kreis Oels
- Kreis Ohlau
- Kreis Reichenbach
- Landkreis Schweidnitz
- Kreis Steinau
- Kreis Strehlen
- Kreis Striegau
- Kreis Trebnitz
- Kreis Waldenburg
- Kreis Wohlau
Regierungsbezirk Liegnitz |
Stadtkreise |
- Görlitz
- Liegnitz
Kreise und Landkreise |
- Kreis Bolkenhain
- Kreis Bunzlau
- Kreis Freystadt
- Landkreis Glogau
- Kreis Goldberg-Haynau
- Landkreis Görlitz
- Kreis Grünberg
- Kreis Hirschberg i. R.
- Kreis Hoyerswerda
- Kreis Jauer
- Kreis Landeshut
- Kreis Lauban
- Landkreis Liegnitz
- Kreis Löwenberg
- Kreis Lüben
- Rothenburg (Ob. Laus.)
- Kreis Sagan
- Kreis Schönau
- Kreis Sprottau
Regierungsbezirk Oppeln |
Stadtkreise |
- Beuthen
- Gleiwitz
- Kattowitz
- Königshütte
Neisse (seit 1911)- Oppeln
Ratibor (seit 1904)
Kreise und Landkreise |
- Landkreis Beuthen
- Kreis Cosel
- Kreis Falkenberg
- Kreis Groß Strehlitz
- Kreis Grottkau
- Kreis Hindenburg O.S.
- Landkreis Kattowitz
- Kreis Kreuzburg
- Kreis Leobschütz
- Kreis Lublinitz
- Kreis Neiße
- Kreis Neustadt
- Landkreis Oppeln
- Kreis Pleß
- Landkreis Ratibor
- Kreis Rosenberg
- Kreis Rybnik
- Kreis Tarnowitz
- Kreis Tost-Gleiwitz
Entwicklung der ethnolinguistischen Struktur |
| Jahr | Polnisch | Deutsch | ||
|---|---|---|---|---|
| absolut | prozentual | absolut | prozentual | |
| 1819 [5] | 0377.100 | 67,2 % | 0162.600 | 29,0 % |
| 1828 [6] | 0418.437 | 0255.383 | ||
| 1831 [6] | 0456.348 | 0257.852 | ||
| 1837 [6] | 0495.362 | 0290.168 | ||
| 1840 [6] | 0525.395 | 0330.099 | ||
| 1843 [6] | 0540.402 | 0348.094 | ||
| 1846 [6] | 0568.582 | 0364.175 | ||
| 1852 [6] | 0584.293 | 0363.990 | ||
| 1858 [6] | 0612.849 | 0406.950 | ||
| 1861 [6] | 0665.865 | 0409.218 | ||
| 1867 [6] | 0742.153 | 0457.545 | ||
| 1890 [7] | 0918.728 | 58,2 % | 0566.523 | 35,9 % |
| 1900 [7] | 1.,048.230 | 56,1 % | 0684.397 | 36,6 % |
| 1905 [7] | 1.158.805 | 56,9 % | 0757.200 | 37,2 % |
| 1910 [7] | 1.169.340 | 53,0 % | 0884.045 | 40,0 % |
Oberpräsidenten |
- 1816–1820: Friedrich Theodor von Merckel
- 1824–1825: Moritz Haubold von Schönberg
- 1825: Hans von Bülow
- 1825–1845: Friedrich Theodor von Merckel
- 1845–1848: Wilhelm von Wedell
- 1848: Hans David Ludwig Yorck von Wartenburg
- 1848: Julius Pinder
- 1848–1868: Johann Eduard von Schleinitz
- 1869–1872: Eberhard zu Stolberg-Wernigerode
- 1873–1874: Ferdinand von Nordenflycht
- 1874–1877: Adolf von Arnim-Boitzenburg
- 1877–1879: Robert Viktor von Puttkamer
- 1879–1894: Otto Theodor von Seydewitz
- 1894–1903: Hermann von Hatzfeldt
- 1903–1909: Robert von Zedlitz-Trützschler
- 1910: Johann von Dallwitz
- 1910–1919: Hans Lauchlan von Guenther
- 1919: Felix Philipp
- 1919–1938: geteilt in die Provinz Niederschlesien und die Provinz Oberschlesien
- 1938–1941: Josef Wagner
Siehe auch |
- Liste der Wappen in der Provinz Schlesien
Literatur |
Joseph Partsch: Schlesien: eine Landeskunde für das deutsche Volk. T. 1., Das ganze Land. 1896, Breslau, Verlag Ferdinand Hirt.- Joseph Partsch: Schlesien: eine Landeskunde für das deutsche Volk. T. 2., Landschaften und Siedelungen. 1911, Breslau, Verlag Ferdinand Hirt.
- F. Leonardi (Hrsg.): Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie. Band 3, Halle 1794, S. 210–303.
Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands - Schlesien. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, (Kröners Taschenausgabe, Bd. 316).- Hugo Weczerka: Stadt- und Marktgründungen und Stadtabgänge in Schlesien 1450–1800. In: Zeitschrift für Ostforschung. Bd. 23, 1974, S. 193–260.
- Lucyna Harc et al.: Cuius regio? Ideological and Territorial Cohesion of the Historical Region of Silesia (c. 1000-2000) vol. 4., Region Divided: Times of Nation-States (1918-1945). Wrocław, 2014, eBooki.com.pl ISBN 978-83-927132-8-9
- Paul Weber: Die Polen in Oberschlesien: eine statistische Untersuchung. 1913, Verlagsbuchhandlung von Julius Springer in Berlin
- Robert Semple: Observations made on a tour from Hamburg through Berlin, Gorlitz, and Breslau, to Silberberg; and thence to Gottenburg, London 1814
Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Graß, Barth und Comp., Breslau 1830 (E-Kopie).- Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, nebst beigefügter Eintheilung des Landes nach den Bezirken der drei Königlichen Regierungen, den darin enthaltenen Fürstenthümern und Kreisen, mit Angabe des Flächeninhaltes, der mittleren Erhebung über der Meeresfläche, der Bewohner, Gebäude, des Viehstandes u.s.w. 2. Auflage, Breslau 1845 (E-Kopie).
Weblinks |
- Provinz Schlesien
Einzelnachweise |
↑ Preußische Provinzen 1910, Gemeindeverzeichnis.de
↑ ab Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1939/40 (Digitalisat)
↑ Peter Baumgart: Schlesien als eigenständige Provinz im altpreußischen Staat (1740-1806). In Norbert Conrads (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Schlesien. Siedler, Berlin 2002, ISBN 978-3-88680-775-8, S. 346
↑ Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. p_schlesien.html. Abgerufen im September 2018 (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
↑ Georg Hassel: Statistischer Umriß der sämmtlichen europäischen und der vornehmsten außereuropäischen Staaten, in Hinsicht ihrer Entwickelung, Größe, Volksmenge, Finanz- und Militärverfassung, tabellarisch dargestellt; Erster Heft: Welcher die beiden großen Mächte Österreich und Preußen und den Deutschen Staatenbund darstellt; Verlag des Geographischen Instituts Weimar (1823), S. 34; (Gesamtbevölkerung 1819: 561.203; Mährer: 12.000; Juden: 8.000 und Tschechen: 1.600)
↑ abcdefghij Paul Weber: Die Polen in Oberschlesien: eine statistische Untersuchung; Verlagsbuchhandlung von Julius Springer in Berlin (1913), S. 8–9
↑ abcd Paul Weber: Die Polen in Oberschlesien: eine statistische Untersuchung; Verlagsbuchhandlung von Julius Springer in Berlin (1913), S. 27
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