Gräfen-Nitzendorf
Gräfen-Nitzendorf Gemeinde Moorgrund 50.84444444444410.243441666667295Koordinaten: 50° 50′ 40″ N, 10° 14′ 36″ O | |
|---|---|
Höhe: | 295 (290–300) m |
Einwohner: | 262 (31. Dez. 2017) |
Eingemeindung: | 1. Januar 1974 |
| Eingemeindet nach: | Möhra |
Postleitzahl: | 36433 |
Vorwahl: | 03695 |
Gräfen-Nitzendorf | |
Gräfen-Nitzendorf – früher auch: Gräfendorf-Nitzendorf – ist ein Ortsteil der 1994 gebildeten Gemeinde Moorgrund im Wartburgkreis in Thüringen. Am 31. Dezember 2017 wohnten 262 Einwohner im Ortsteil.[1]
Inhaltsverzeichnis
1 Geografie
1.1 Geografische Lage
1.2 Nachbargemeinden und -städte
1.3 Berge
1.4 Flüsse
2 Geschichte
2.1 Ersterwähnung
2.2 Gräfen-Nitzendorf im Mittelalter
2.3 Neuzeit
2.4 Gegenwart
3 Verkehr
3.1 Straßenverkehr
3.2 Schienenverkehr
3.3 Busverkehr
4 Wirtschaft
5 Sonstiges
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise
Geografie |
Geografische Lage |
Gräfen-Nitzendorf befindet sich 4 km nördlich der Kreisstadt Bad Salzungen am Südrand des Moorgrund, einer natürlichen Senke zwischen dem westlichen Thüringer Wald und dem Werratal.
Nachbargemeinden und -städte |
Der Ort gehört seit einer Gebietsreform vom 7. Oktober 1994 zur Gemeinde Moorgrund, zuvor gehörte sie bereits als Ortsteil zu Möhra. Gräfen-Nitzendorf grenzt im Süden an Bad Salzungen, im Westen an die Ortsteile Unterrohn und Oberrohn der Gemeinde Tiefenort sowie im Norden und Osten an die Moorgrundgemeinden Möhra, Gumpelstadt und Witzelroda.[2]
Berge |
Die höchste Erhebung befindet sich bei 354 m ü. NN an der Salzunger Gemarkungsgrenze, Flur Winterkasten.
Flüsse |
Die Ortsnamen Möhra und Moorgrund wurden einst abgeleitet von einem ausgedehnten Feuchtgebiet, welches sich als Moor nach der letzten Eiszeit herausbildete und welches erst in den 1970er Jahren weitgehend trockengelegt wurde. Der Moorbach ist ein Hauptzufluss der Fischa, welche bei Barchfeld als rechter Zufluss in die Werra mündet. In der Ortslage Gräfen-Nitzendorf befinden sich zwei kleine Teiche.[3]
Geschichte |
Die Geschichte von Gräfen-Nitzendorf ist sehr eng mit der Geschichte der benachbarten Stadt Bad Salzungen verbunden.
Ersterwähnung |
Gräfendorf und Nitzendorf und das benachbarte Neuendorf wurden im Jahr 1330 erstmals urkundlich erwähnt.[4]
Gräfen-Nitzendorf im Mittelalter |
Nach dem Ortsbild handelt es sich um ein Straßendorf mit zwei etwa 300 m entfernten Siedlungskernen. Die beiden Ortsteile waren ursprünglich im Besitz der Herren von Frankenstein, sie kamen 1330 an die Grafen von Henneberg und von diesen 1353 an das Haus Wettin. Unterhalb der Burg entstand ab 1272 das in der Region Bad Salzungen reich begüterte Nonnenkloster Allendorf. Die umliegenden Dörfer waren im 14. Jahrhundert nach der gewaltsamen Zerstörung der Burg Frankenstein meist in den Besitz des Klosters übergegangen. Die Flurnamen Frankenstein und Klosterberg erinnern an diese Zeit.[5]
Während des Bauernkrieges, im Jahr 1525, wurde das Allendorfer Kloster von den aufrührerischen Bauern des Werrahaufen überfallen und schwer verwüstet.
Die Landschaft um Gräfen-Nitzendorf wurde noch über Jahrhunderte im Norden von einem ausgedehnten Moor begrenzt. Die Salzunger Forste und die Wälder der Nachbarorte mussten bis in das 19. Jahrhundert für den Betrieb der Salzunger Saline Brennholz und später auch Dornbüsche anliefern. Die mehrheitlich als Hauwald genutzten Gehölze bei Neuendorf und Gräfen-Nitzendorf erhielten davon den bezeichnenden Namen Heckenwald, da die nachwachsenden Bäume meist nicht größer als Hecken heranwuchsen, bevor sie erneut eingeschlagen wurden.[6]
Neuzeit |
Nach dem Dreißigjährigen Krieg kamen beide Ortsteile 1680 als Teil des Amts Salzungen an das Herzogtum Sachsen-Meiningen, bei einer Verwaltungsreform 1868 entstand der Landkreis Meiningen. 1950 wurden die Ortsteile in den neu geschaffenen Kreis Bad Salzungen aufgenommen. Nach 1820 bewirkte der Gumpelstädter Oberförster Trautwein, ein Schüler des Oberforstrats Heinrich Cotta, dass die Bauern der Anrainergemeinden des Moorgrundes durch Melioration und Bodendüngung neue Anbauflächen und Wiesen erhielten. Er ließ ein dichtes Netz von Drainagegräben anlegen, Feldwege ausbauen und förderte die Anlage von Obstplantagen und die Imkerei.[7] Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Heckendörfer zu einem Zentrum der Imkerei in Thüringen.
Gegenwart |
Im Jahr 1955 lebten im Ort 170 Einwohner.[8]
Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Gräfendorf-Nitzendorf in die Gemeinde Möhra eingegliedert.[9] Am 4. November 1994 wurde Möhra mit Moorgrund und Kupfersuhl zur Gemeinde Moorgrund zusammengefasst[10], so dass auch Gräfen-Nitzendorf ein Ortsteil der Gemeinde Moorgrund wurde.
Durch Anlage einer Neubausiedlung zwischen den alten Ortskernen entstand nach 1990 eine geschlossene Siedlungsstruktur mit ländlich geprägtem Charakter, zugleich verdoppelte sich damit die Einwohnerzahl. Als Mittelpunkt des Gemeindelebens im Ort gilt die „Waldesruh“ – die 1908 eröffnete kleine Ausflugsgaststätte war ursprünglich für die Kurgäste von Bad Salzungen gedacht.[11]
Verkehr |
Straßenverkehr |
Durch den Ort verläuft die Landesstraße 2895 Bad Salzungen – Gräfendorf-Nitzendorf – Möhra.
Schienenverkehr |
Die nächstgelegene Anbindung an den Schienenverkehr befindet sich in der Kreisstadt am Bahnhof Bad Salzungen und im vier Kilometer entfernten Ort Oberrohn mit einem Haltepunkt der Süd-Thüringen-Bahn an der Bahnstrecke Eisenach-Bad Salzungen-Meiningen.
Busverkehr |
Nach Gräfen-Nitzendorf verkehren folgende Buslinien der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH
[12] :
| Linie | Fahrstrecke |
|---|---|
| L-103 | Bad Salzungen - Oberrohn - Möhra - Gräfen-Nitzendorf |
| L-104 | Bad Salzungen - Immelborn - Barchfeld - Witzelroda - Gumpelstadt - Gräfen-Nitzendorf - Möhra |
| L-105 | Bad Liebenstein - Schweina - Barchfeld - Witzelroda - Gumpelstadt - Gräfen-Nitzendorf - Möhra |
Wirtschaft |
Die Einwohner von Gräfen-Nitzendorf arbeiten überwiegend in den Betrieben der benachbarten Kreisstadt Bad Salzungen und in den Umlandgemeinden.
Sonstiges |
- Gräfen-Nitzendorf hat als Beiname Heckendorf.
- Gräfen-Nitzendorf wird umgangssprachlich auch als die Hecke bezeichnet
- Im Ortsteil Nitzendorf befindet sich eine Messstation des privaten Wetterdienstes Meteomedia.[13]
Literatur |
- Otto Hartmann Gräfen-Nitzendorf - eine Moorgrundidylle In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1999/2000. S. 78
Weblinks |
Einzelnachweise |
↑ http://www.moorgrund.de/scripts/angebote/3676?ortsfilter=39005&main_aktiv=main_aktiv2&sub_aktiv=sub_aktiv3
↑ Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach, Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5
↑ Thüringer Landesvermessungsamt TK25 - Blatt 5127 Bad Salzungen, Erfurt 1997, ISBN 3-86140-063-4
↑ Luck: Witzelroda - Bauerndorf am Rande des Moorgrundes. In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1992. S. 95 ff
↑ Frankensteinverein (Herausgeber) Salzungen - Historischer Streifzug durch das Salzunger Land. Bad Salzungen 1992. S. 29ff.
↑ Otto Hartmann Gräfen-Nitzendorf - eine Moorgrundidylle In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1999/2000. S. 78
↑ Schilling zu Dreyßigacker: Landwirtschaftliche Bemerkungen über das Meininger Unterland In: Beiträge zur teutschen Landwürthschaft und deren Hülfswissenschaften. Bonn 1824. S. 63ff.
↑ Paul Luther: Materialien für den Heimatkundeunterricht - Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl. Hrsg.: Rat des Kreises Bad Salzungen, Abt. Volksbildung. Bad Salzungen 1959, Struktur vom Bezirk Suhl (Übersicht der Orte und Einwohnerzahlen der Landkreise), S. 5–11.
↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
↑ Thüringer Verordnung über die Auflösung und Zusammenlegung der Gemeinden Moorgrund, Möhra und Kupfersuhl vom 7. Oktober 1994 Fundstelle: GVBl 1994, S. 1169
↑ <bg>: Der Ruf des Rostbrätels. Südthüringer Zeitung (Redaktion Bad Salzungen), 28. Juli 2012, abgerufen am 28. Juli 2012: „Die "Waldesruh" in Gräfen-Nitzendorf ist schon seit 1908 Anlaufstelle für Durstige und Hungrige und Leute, die einfach ein bisschen Unterhaltung möchten.“
↑ Fahrplan der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH
↑ Meteomedia-Webseite (Stationsübersicht für Thüringen)
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