Reichelsheim (Odenwald) ist eine Gemeinde im südhessischen Odenwaldkreis.
Inhaltsverzeichnis 1 Geographie 1.1 Lage 1.2 Nachbargemeinden 1.3 Gliederung 2 Geschichte 3 Eingemeindungen 4 Politik 4.1 Gemeindevertretung 4.2 Bürgermeister 4.3 Wappen 4.4 Städtepartnerschaften 5 Kultur und Sehenswürdigkeiten 5.1 Märchen- und Sagentage 5.2 Regionalmuseum 5.3 Schloss Reichenberg 5.4 Kulturdenkmäler 6 Wirtschaft und Infrastruktur 7 Söhne und Töchter der Gemeinde 8 Literatur 9 Weblinks 10 Einzelnachweise Geographie | Lage | Reichelsheim liegt im mittleren Odenwald in 200 bis 538 Meter Höhe inmitten des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.
Nachbargemeinden | Reichelsheim grenzt im Norden an die Gemeinden Fränkisch-Crumbach, Brensbach und Brombachtal, im Osten an die Stadt Michelstadt und die Gemeinde Mossautal (alle im Odenwaldkreis), im Süden an die Gemeinde Fürth sowie im Westen an die Stadt Lindenfels (beide Kreis Bergstraße).
Gliederung | Zur Gemeinde gehören neben dem Ort Reichelsheim die dreizehn Ortsteile Beerfurth (bestehend aus Kirch-Beerfurth und Pfaffen-Beerfurth), Bockenrod, Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Gersprenz, Gumpen (bestehend aus Groß-Gumpen und Ober-Klein-Gumpen), Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Kainsbach (mit den Weilern Hutzwiese, Spreng, Vierstöck und Wünschbach), Ober-Ostern, Rohrbach und Unter-Ostern.
Reichelsheim ist nach Heidenrod und Oberzent die hessische Gemeinde mit der zweitgrößten Zahl von Ortsteilen.
Geschichte | Erstmals wurde die Gemeinde 1303 als Richelsheim urkundlich erwähnt.[2]
Im April 1744 wird die erste Poststation in Reichelsheim eröffnet und der Centgraf Georg Sebastian Willenbücher zum Kaiserlichen Posthalter bestellt. Mit Bestallungsurkunde von Thurn und Taxis vom 8. Dezember 1843 wurde der Ortseinnehmer Friedrich Volk zum Posthalter ernannt und am 1. Januar 1844 eine Brief- und Fahrpostexpedition in der Heidelberger Straße errichtet. Ab 1. Januar 1852 gab es in Reichelsheim erste Postwertzeichen (Briefmarken) von Thurn und Taxis mit der Währung Kreuzer und Gulden. Seit 1852 gab es eine regelmäßige Postkutsche, den Reichelsheim-Darmstädter Eilwagen.
Am 27. November 1872 wurde der Spar- und Creditverein als eingetragene Genossenschaft gegründet und am 5. Januar 1873 in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Fürth (Odenwald) eingetragen. Durch Namensänderungen und Fusionen ist die Volksbank in Reichelsheim heute eine Geschäftsstelle der Volksbank Odenwald in Michelstadt. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die erste Agentur der Spar- und Leihkasse Erbach (Sparkasse) in Reichelsheim eröffnet.
Im Jahr 1880 war in Reichelsheim ein Telegraphenapparat im Postamt vorhanden, über den 257 Telegramme aufgegeben und 333 Telegramme empfangen wurden (Erbacher Kreisblatt Nr. 10 vom 2. Februar 1881). Ab 13. November 1899 war Reichelsheim an das Telefonnetz mit einer öffentlichen Fernsprechstelle angeschlossen (Erbacher Kreisblatt Nr. 135 vom 18. November 1899).
Reichelsheim war vom 10. Oktober 1887 bis August 1964 der Endpunkt der Gersprenztalbahn aus Reinheim. Ab 1893 wurde in Reichelsheim eine zentrale Trinkwasserversorgung geschaffen. Am 4. Juli 1927 wurde das erste Schwimmbad eingeweiht.
Im Jahr 1903 errichtete Helene Göttmann am Flutgraben ein Kohlekraftwerk zur elektrischen Beleuchtung ihrer Heilanstalt. Ab 1910 hatte Reichelsheim eine elektrische Straßenbeleuchtung.
Am 1. April 1904 wurde das Grossherzogliche Amtsgericht Reichelsheim in der Bismarckstraße eröffnet. Der Amtsgerichtsbezirk Reichelsheim wurde am 1. Juli 1968 aufgelöst und dem Amtsgerichtsbezirk Michelstadt zugeteilt. Seit 1973 dient das Amtsgerichtsgebäude als Rathaus von Reichelsheim.[3]
Am 1. Januar 1975 wurde der Name der Gemeinde amtlich von Reichelsheim i. Odw. in Reichelsheim (Odenwald) geändert.[4]
Dem Ort wurde 1986 das Prädikat staatlich anerkannter Luftkurort verliehen. Dieses wurde jedoch 2011 wieder aberkannt.[5]
Eingemeindungen | → Hauptartikel : Liste der Eingemeindungen in die Gemeinde Reichelsheim (Odenwald)
Am 1. Februar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Eberbach, Frohnhofen und Unter-Ostern eingegliedert.[6] Am 1. Juli 1971 kam Laudenau, das bis dahin zum Landkreis Bergstraße gehörte, hinzu. Erzbach, Gumpen (am 1. Januar 1968 durch den Zusammenschluss von Ober-Gumpen und Ober-Klein-Gumpen entstanden), Klein-Gumpen, Ober-Ostern und Rohrbach folgten am 31. Dezember 1971. Mit der Eingliederung von Beerfurth, das am 1. Dezember 1970 durch den Zusammenschluss der Vorläufergemeinden Kirch-Beerfurth und Pfaffen-Beerfurth entstanden war und am 1. Februar 1971 Bockenrod und Gersprenz aufnahm, sowie Ober-Kainsbach wurde die Reihe der Eingemeindungen am 1. August 1972 abgeschlossen.[7] [4]
Politik | Gemeindevertretung | Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[8] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
Parteien und Wählergemeinschaften % 2016 Sitze 2016 % 2011 Sitze 2011 % 2006 Sitze 2006 % 2001 Sitze 2001 CDU-RWG Christlich Demokratische Union Deutschlands – Reichelsheimer Wähler-Gemeinschaft59,3 18 51,4 16 41,1 13 — — SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands40,7 13 42,8 13 45,8 14 45,8 14 FDP Freie Demokratische Partei— — 5,9 2 7,5 2 4,6 1 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen— — — — 5,6 2 6,4 2 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands— — — — — — 24,4 8 RWG Reichelsheimer Wähler-Gemeinschaft — — — — — — 18,8 6 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 53,9 53,8 55,2 62,0
Bürgermeister | Bei der Wahl zum Bürgermeister konnte sich 2008 Stefan Lopinsky (RWG) mit 61,2 Prozent der Stimmen durchsetzen.
1990–2008: Gerd Lode (SPD) 1960–1990: Helmut Born (RWG) Wappen | Blasonierung: „Auf goldenem Boden in Rot unter drei nebeneinander stehenden sechsstrahligen Sternen drei goldene Eichbäume, dazwischen zwei goldene Eichenschößlinge.“
Dieses Bild stammt aus dem Gerichtssiegel des 17. Jahrhunderts, das 1914 wieder aufgefunden worden ist. Die Sterne verweisen auf die Landesherrschaft der Grafen von Erbach, die Bäume sollten wohl die Lage des Dorfs im Odenwald versinnbildlichen. 1923 wurde das Wappen vom hessischen Innenminister in der von Hupp empfohlenen Tingierung verliehen.[9]
Städtepartnerschaften | Reichelsheim besitzt Partnerschaften seit Mitte der 1990er Jahre mit dem französischen Dol-de-Bretagne Cherrueix, seit 2010 mit dem ungarischen Nagymányok und dem polnischen Jablonka.
Kultur und Sehenswürdigkeiten | Märchen- und Sagentage | Seit 1995 finden jährlich am letzten Wochenende im Oktober die Reichelsheimer Märchen- und Sagentage mit Verleihung des Wildweibchenpreises statt. Viele mittelalterliche Aufbauten und Bekleidungen sind zu bewundern.
Regionalmuseum | Untergebracht im ehemaligen Rathaus von 1554, Deutschlands ältestem Fachwerk-Rathaus mit der Mannform als Verstrebungsfigur. Ausstellungsschwerpunkte sind der Bergbau, typische Handwerke wie Lebkuchenbäckerei, Gäulchesmacher (Holzschnitzer für Pferde), Schindler und Schuhmacher sowie das frühere Dorfschulwesen; auch die ehemalige Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn („Odenwälder Lieschen“) wird thematisiert: Die Ausstellung von über 800 Bahnpostwagen und Lokomotiven des In- und Auslands vornehmlich im Maßstab H0 wurde im Jahr 2015 neu gestaltet.
Für Details zum Bergbau, siehe: Liste von Bergwerken im Odenwald.
Schloss Reichenberg Eingang
Schloss Reichenberg | Das heutige Schloss Reichenberg entstand als Burg Richenburg im 13. Jahrhundert, erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1307. Bemerkenswert ist das Herrenhaus (Palas). Der Palas wurde wegen seines gekrümmten Grundrisses der Krumme Bau genannt.
Hier wurde am 14. Februar 1776 der spätere Naturforscher Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck geboren. Er war Freund Goethes, Mitbegründer der Universität Bonn und des Botanischen Gartens Bonn, 40 Jahre lang Präsident der Leopoldina und Direktor des Botanischen Gartens in Breslau, wo er am 16. März 1858 verstarb.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Burg in wechselndem adligen Besitz. Von 1876 bis 1924 wurde die nun Schloss Reichenberg genannte Anlage als Privatschule für Knaben der gehobenen Stände genutzt. Danach übernahm die Familie Siefert vom Frohnhof das Schloss. Sie verkaufte 1963 einige Gebäude als Ferienheim an die Deutsche Bundespost.
Im Juli 1979 kaufte die ökumenische Kommunität Offensive Junger Christen (OJC) das Schloss Reichenberg. Sie baute es zu einer (öffentlich zugänglichen) internationalen Begegnungs- und Tagungsstätte mit Schlosscafé um. Der obere ältere Teil des Schlosses, der sogenannte Krumme Bau, wird zurzeit renoviert.
Kulturdenkmäler | Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Reichelsheim
Wirtschaft und Infrastruktur | Verkehr | Durch die Bundesstraßen 47 (Nibelungenstraße zwischen Michelstadt und Worms) und 38 (zwischen Roßdorf bei Darmstadt und Weinheim/Mannheim), die gemeinsam durch Reichelsheim führen, ist die Gemeinde an das Verkehrsnetz angeschlossen. Die Bahnstrecke Reinheim–Reichelsheim ist abgebaut. Busverbindungen nach Bensheim, Fürth i. Odw., Reinheim und Michelstadt schaffen Anschluss ans öffentliche Schienennetz (Main-Neckar-Eisenbahn, Weschnitztalbahn und Odenwaldbahn).
Behörden | In Reichelsheim befindet sich ein Polizeiposten, der zum Polizeirevier Erbach/Odenwald gehört.
Söhne und Töchter der Gemeinde | Karl Christian Schweickart (auch Schweikart, Schweickert oder Schweikert) (1769–1839), hessischer Gutsbesitzer und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776–1858), Botaniker und Naturphilosoph Johann Peter Arras (1870–1939), Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Ober-Ostern Carl Geist (1870–1931), deutscher Landschaftsmaler Heinz Kitz (1907–1971), hessischer Politiker (CDU) und ehemaliger Abgeordneter des Hessischen Landtags Otto Dingeldein (1915–1981), Flottillenadmiral der BundesmarineLiteratur | Literatur über Reichelsheim in der Hessischen Bibliographie Literatur von und über Reichelsheim im Katalog der Deutschen NationalbibliothekWeblinks | Commons: Reichelsheim (Odenwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Webseite der Gemeinde Reichelsheim Reichelsheim (Odenwald), Odenwaldkreis . Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).Einzelnachweise | ↑ Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2017 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu). ↑ Reichelsheim (Odenwald), Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 8. Juli 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL); abgerufen am 4. November 2014 ↑ Reichelsheim im Odenwald 700 Jahre. Vom Marktflecken zur Großgemeinde. ISBN 3-00-010145-4. ↑ a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982 . W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 357 bis 359 . ↑ 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011 . In: Staatszeiger für das Land Hessen . Nr. 7 , 2012, ISSN 0724-7885, S. 221 . ↑ Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971 . In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6 , S. 248 , Abs. 19 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB ]). ↑ Der Hessische Minister des Innern: Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Erbach (GVBl. II 330–16) vom 11. Juli 1972 . In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17 , S. 224 , § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB ]). ↑ Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt ↑ Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Band 3: Die Gemeindewappen des Landes Hessen. Angelsachsen-Verlag Bremen, 1977, DNB 458203440 S. 76. .mw-parser-output div.BoxenVerschmelzenborder:1px solid #AAAAAA;clear:both;font-size:95%;margin-top:1.5em;padding-top:2px.mw-parser-output div.BoxenVerschmelzen div.NavFrameborder:none;font-size:100%;margin:0;padding-top:0.mw-parser-output div.NavFrameborder:1px solid #A2A9B1;clear:both;font-size:95%;margin-top:1.5em;min-height:0;padding:2px;text-align:center.mw-parser-output div.NavPicfloat:left;padding:2px.mw-parser-output div.NavHeadbackground-color:#EAECF0;font-weight:bold.mw-parser-output div.NavFrame:afterclear:both;content:"";display:block.mw-parser-output div.NavFrame+div.NavFrame,.mw-parser-output div.NavFrame+link+div.NavFramemargin-top:-1px.mw-parser-output .NavTogglefloat:right;font-size:x-small
Gemeinden im Odenwaldkreis
Bad König | Brensbach | Breuberg | Brombachtal | Erbach | Fränkisch-Crumbach | Höchst im Odenwald | Lützelbach | Michelstadt | Mossautal | Oberzent | Reichelsheim (Odenwald)
Ortsteile von Reichelsheim (Odenwald)
Beerfurth aus den Orten Kirch-Beerfurth und Pfaffen-Beerfurth | Bockenrod | Eberbach | Erzbach | Frohnhofen | Gersprenz | Gumpen aus den Orten Groß-Gumpen und Ober-Klein-Gumpen | Klein-Gumpen | Laudenau | Ober-Kainsbach | Ober-Ostern | Reichelsheim | Rohrbach | Unter-Ostern
Normdaten (Geografikum): GND: 4049107-9 (AKS)